EN/EZ: Bertram zum Blausteinsee: „Das wird kein See für elitäre Kreise“
Ich zitiere die EN/EZ vom 01.07.2009 (Rudolf Müller):
Der See schlägt hohe Wellen. Genauer gesagt: die Pläne für Hotel- und Freizeitanlagen am Westufer des Blausteinsees. Trotz zahlreicher Bürgerversammlungen, in denen auch die Planer selbst das Vorhaben im Detail erläuterten, kursieren nach wie vor falsche Behauptungen über das Projekt. Zum Beispiel die, das Resort schränke die Zugänglichkeit des Sees für Einheimische ein. Unser Redakteur Rudolf Müller konfrontierte Bürgermeister Rudi Bertram mit einigen der Kritikpunkte.
Wird der Zugang zum See für die Eschweiler Bevölkerung künftig nur noch eingeschränkt möglich sein?
Rudi Bertram: In keiner Weise. Das wird kein See für elitäre Kreise. Der Zugang bleibt selbstverständlich frei, Strand und Liegewiese bleiben in unveränderter Größe erhalten. Dies ist schon rechtlich gar nicht anders möglich, weil wir sonst öffentliche Gelder in erheblicher Höhe zurückzahlen müssten. Am unteren Kreisel, dem Beginn der Liegewiese, wird in Kürze zudem eine öffentliche Sanitäranlage mit Duschen und WCs entstehen.
Das Krause/Bohne- Projekt Schloss Beberbeck, im Dokumentarfilm „Henners Traum“ als Vision fern jeder Verwirklichung hingestellt, wird von Kritikern des Blausteinsee- Projekts gerne als Beispiel für die Irrealität des Vorhabens hingestellt.
Rudi Bertram: Das Beberbeck-Projekt liegt fernab jeder entsprechenden Infrastruktur. Da ist hier anders: Den Blausteinsee gibt es – und Baurecht gibt’s hier auch. Außerdem: Da geht es um ein Vorhaben von 420 Millionen Euro, hier um 40. Das kann man nicht vergleichen.Wie teuer kommt der See mit Resort die Bürger zu stehen? Wer zahlt die Erschließungskosten, Kanalisation, Versorgungsleitungen?
Rudi Bertram: Die seit Jahren bestehende Zufahrt zum See samt Kreisel ist seinerzeit von der Blausteinsee- GmbH, in der sich fünf Kommunen zusammengeschlossen haben, gemeinsam mit der Stadt und mit maßgebender Landesförderung finanziert worden. Die Erschließung des Resorts ist einzig und allein Sache des Investors bzw. Betreibers und kostet die Bürger keinen Cent. Möglich, dass die GmbH die Zufahrt vom unteren Kreisel zu den Parkplätzen an den künftigen Vereinsunterkünften vorfinanziert. Grundsätzlich aber, davon gehe ich aus, werden auch diese Kosten vom Resort- Investor übernommen.
Wieviel müssen Blausteinsee-GmbH und Bürger zum Betrieb beitragen?
Rudi Bertram: Für den Betrieb des Resorts keinen Cent. Für die übrigen, die öffentlichen Flächen gilt natürlich weiterhin, dass die GmbH für die Reinigung und Müllentsorgung ebenso aufkommt wie für die Sicherheit und die Wasserzufuhr zum See. Ich gehe davon aus, dass nach Fertigstellung des Resorts eine gewisse soziale Kontrolle auch im öffentlichen Umfeld greift und somit die Kosten für Beseitigung von Müll und Vandalismusschäden reduziert. Teurer als geplant kommt uns die noch wenige weitere Jahre nötige Wasserzufuhr zum See: die Pumpkosten betragen bis zu 300 000 Euro jährlich. Vor 25 Jahren hat eben noch keiner an die Explosion der Energiekosten gedacht.Dies alles ist auch der Grund dafür, dass die GmbH die Resort- Flächen verkaufen muss, um davon die Betriebskosten des Sees zu decken. Das war schon vor 25 Jahren von Bürgermeister Erich Berschkeit und Stadtdirektor Claus- Dieter Härchen so geplant und durch die Schaffung eines entsprechenden Bebauungsplan ermöglicht.
Muss die Stadt fürchten, zur Kasse gebeten zu werden, wenn das Hotel- Resort nicht wie erhofft Gewinne macht?
Rudi Bertram: Natürlich nicht. Das ist allein Sache des Betreibers. Das gilt übrigens für jede Firmenansiedlung: Wenn ich von vornherein eine Insolvenz fürchte, darf ich gar nichts mehr anpacken.
Kritiker unterstellen, Rheinbraun habe die Gewinne aus der Kohle abgeschöpft und lasse die Bürger jetzt die Folgekosten tragen.
Rudi Bertram: Es gibt seit Jahrzehnten gültige Verträge, die in gegenseitigem Einvernehmen geschlossen wurden: Die Stadt wollte den See als Wiedergutmachung für die Beeinträchtigungen, die ihre Bürger durch den Tagebau erdulden mussten. Rheinbraun verzichtete daraufhin auf die Möglichkeit, rekultivierte Flächen gewinnbringend zu verpachten, ersparte sich aber andererseits die Verfüllungskosten. Lediglich die Energiekosten, Wasser aus dem Tagebau Inden hierher zu pumpen, musste und muss die See- GmbH tragen.
Sie sollen in einer Bürgerversammlung betont haben, die Grundstücke am See müssten verkauft werden, weil sie als Sicherheit für frühere Kredite eingebracht worden seien.
Rudi Bertram: Die Blausteinsee-GmbH hat seinerzeit Kredite aufgenommen, um den See überhaupt betreiben zu können. Diese Kredite sind zum Teil kommunal verbürgt worden. Der Grundstücksverkauf ist aber nicht nötig, um Bürgschaften abzulösen, sondern war von vornherein Teil des Planes, den See zu entwickeln. Die GmbH kann dann künftig ihre Betriebskosten sowohl aus den Grundstücksveräußerungen decken wie auch aus den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Dazu zählen in geringem Umfang die Verpachtung künftiger Vereinsunterkünfte, aber auch die Vermietung der Seebühne – dort könnten zum Beispiel auch Firmen Sommerfeste feiern. Derzeit läuft die Bühne super – wir haben fast jede Woche Veranstaltungen. Jeder Cent, den die GmbH einnimmt, kommt der See- Unterhaltung zugute und fließt nicht in die Stadtkassen.
Das Hotel-Resort sei ein paar Nummern zu groß für Eschweiler, sagen Kritiker. Ist das auch Ihre Ansicht?
Rudi Bertram: Ganz und gar nicht. Es geht hier auch darum, den Strukturwandel in der Region ein Stück weit zu begleiten. Dass in der Region ein weiterer Bedarf an Hotellerie besteht, steht außer Zweifel. Und eine Anlage in dieser Lage, quasi direkt am See, ist einzigartig in der Region.
Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass dann Massen von Leuten kommen, die hier drei Wochen Urlaub machen wollen, aber mit Blick auf die Entwicklung der Region mit RWTH und FHs, Campus Aachen und indeland brauchen wir Tagungshotels mit Wellnessangeboten. Last not least schafft das Blausteinsee-Resort rund 200 Arbeitsplätze.



