EN/EZ: Ratskandidaten appelieren an die Jugend: Wählen ist ein Privileg
Ich zitiere die EN/EZ vom 05.08.2009 (Stefan Hermann)
Eine Befürchtung konnten Janina Beume und ihre Freundin nach eineinhalb Stunden hautnaher «Politikberieselung» auf jeden Fall ad acta legen: «Eschweilers Politiker beißen nicht», stellten die beiden Jugendlichen erleichtert fest. Eigentlich sind sie sogar ganz nett.
Und interessiert schienen sie auch zu sein. Das unterstrich schon ihre zahlenmäßige Präsenz. Stolze 15 Kommunalpolitiker hatten sich auf den Weg nach Dürwiß gemacht. Dort, an der Konrad- Adenauer- Straße, direkt vor der Grund- und Hauptschule, suchten Eschweilers Ratskandidaten den Kontakt zur indestädtischen Jugend.Alle Parteien waren vertreten: CDU, FDP, die Grünen, die Linken, SPD und die UWG. «Wobei wir gar keine Partei sind, sondern nur eine Wählergemeinschaft und somit ein Verein», erklärte UWG- Fraktionschef Erich Spies gleich zu Beginn.
Neben ihm saßen SPD- Fraktionschef Leo Gehlen und weitere Sozialdemokraten, die Bürgermeisterkandidatin der Grünen, Gabriele Pieta, suchte ebenso das lockere Gespräch in ihrer Lieblingsumgebung – im Grünen – wie der CDU- Fraktionschef Bernd Schmitz. Die FDP kam mit einer Dreierdelegation, die Linke schickte Andreas Dittrich ins Rennen um die Jugend.
«Wir haben eine Menge politische Kompetenz hier», blickte dann auch Oliver Krings, Mobiler Jugendarbeiter der Stadt Eschweiler, gemeinsam mit seinem Kollegen Olaf Tümmeler fast schon ein wenig ehrfürchtig in die Runde.
Ein wenig ehrfürchtig blickte auch Janina drein. Schließlich hatte sie «mit Parteien und Politikern bisher noch nichts zu tun». Und jetzt saß sie da, mit ihrer Freundin. Leider waren sie die einzigen beiden, die an diesem Nachmittag die Chance nutzten, mit ihren (möglichen) Ratsvertretern ins Gespräch zu kommen. Zwar gesellten sich zwischenzeitlich drei weitere Jungs zur gemütlichen Sitzrunde im Park dazu, doch nach kurzer Zeit sprangen sie wieder ab vom politischen Diskussionszug.
Hat Eschweilers Jugend vielleicht einfach keinen Bock auf Politik? Ganz so einfach darf man es sich sicherlich nicht machen. Zumal am 30. August gewählt wird. Und dann haben an der Inde 2875 Erstwähler die Chance, Einfluss darauf zu nehmen, wie sich ihre Stadt zukünftig entwickeln soll. Die Idee der Mobilen Jugendarbeit ist gut – wie sonst auch in ihrer alltäglichen Arbeit – die Jugendlichen vor Ort aufzusuchen. Das Ziel: ein lockeres Gespräch in entspannter Atmosphäre mit Politikern. Neugierig machen auf Wahl.
Zum ersten Mal findet der Mobil- Talk im Superwahljahr 2009 statt. Mit dem Jugend- Mobil fahren Oliver Krings und Olaf Tümmeler zu insgesamt sechs Treffpunkten (siehe Box). «Wer weiß, vielleicht sitzen wir bei der nächsten Gesprächsrunde schon mit 40 Jugendlichen da», sagt Krings. Themen, die junge Menschen interessieren, gibt es schließlich reichlich: das Thema Schule, Ausbildung, Berufseinstieg zum Beispiel. Das wurde auch am Montag diskutiert; wobei meist die Politiker sprachen und die Jugendlichen zuhörten.
Was wünschen sich Erstwähler an Freizeitmöglichkeiten für ihre Heimatstadt? Wie kann man Kontakt zu den Parteien aufnehmen, zum Beispiel übers Internet? Nach und nach wurde der Mobil- Talk ungezwungener. Eine Botschaft hatten dabei alle Politiker im Gepäck: «Egal, welche Partei ihr letztlich wählt: Es ist einfach wichtig, dass ihr überhaupt eure Stimme abgebt», sprach FDP- Ratskandidatin Dorothea Weßels für alle.
«Macht euch eure eigene Meinung und übernehmt nicht einfach die Meinung vom Vater oder Opa», ergänzte CDU- Fraktionschef Bernd Schmitz und Oliver Liebchen, jüngster Kandidat der Sozialdemokraten, meinte: «Nicht in allen Ländern ist es möglich, frei und geheim zur Wahlurne zu gehen. Daher ist für mich Wählen ein Privileg!» Das sind freie und offene Diskussionen auch. Hoffentlich nutzen mehr Jugendliche in den nächsten Tagen das Angebot des Mobil- Talks.



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