Warum soll ich wählen gehen …
… es geht ja eh kaum jemand hin!
Eher ein Grund hin zu gehen, als weg zu bleiben. Bei niedriger Wahlbeteiligung wiegt jede einzelne Stimme umso mehr.
… die Politik ist doch eh vollkommen bürgerfern.
Das wird sie bleiben, wenn die Politiker keine Angst vor den nächsten Wahlen haben müssen. Solange sie denken „Es interessiert sich eh niemand für die Wahl, nur die treuen Parteiwähler gehen hin“ besteht kein Bedarf, mehr Bürgernähe zu zeigen!
… die Politik und Stadtverwaltung ist zu bürokratisch.
Wie soll sich das ändern, wenn niemand gewählt wird? Die SPD tritt für eine starke und bürgernahe Stadtverwaltung ein
… ich habe keine Zeit/Lust.
Wählen gehen dauert nur wenige Minuten, die kann man aufbringen, unabhängig von Wetter oder anderen Einflüssen. Warum nicht Freunde oder Familie direkt mit nehmen und anschließend gemeinsam etwas unternehmen? Wer nur Zuhause sitzt, kann sich später auch nicht beschweren. Und wer die Kommunalwahl für unwichtig hält, kann sie durch seine Stimme wichtig machen!
… ich kann mich mit keiner Partei hundertprozentig identifizieren!
Diese Aussage wird von Vielen geteilt. Zustimmen würden dieser Aussage auch viele Spitzenpolitiker! Viele haben in ihrer politischen Zeit schon parteiinterne Niederlagen in inhaltlichen Fragen erlitten und engagieren sich dennoch für „ihre” Partei. Einfach deshalb, da sowohl Parteien konkret als auch das Leben allgemein niemals perfekt sind. Wir treffen ständig Entscheidungen, mit denen wir uns nicht hundertprozentig identifizieren, sei es beim Fernsehprogramm oder sei es beim Urlaubsort. Warum nicht auch bei einer Wahl?!
… ich möchte mit meiner Wahlverweigerung Protest ausdrücken!
Eine politisch motivierte Wahlenthaltung ist bei einem Teil der Nichtwähler festzustellen. Problematisch ist, dass Nichtwählen keine eindeutige Protestbotschaft darstellt: Bin ich mit allem zufrieden – soll sich also nichts ändern? Oder bin ich mit allem unzufrieden – soll sich also alles ändern? Rationaler ist es, die Partei zu wählen, die am ehesten den eigenen Protest artikuliert.
… die Politiker nehmen uns ohnehin nicht ernst!
Viele Bürger haben das Gefühl, von „den Politikern” nicht ernst genommen zu werden. Und tatsächlich gibt es bei manchen Politikern eine gewisse Form der Bürgerverdrossenheit. Manche Politiker glauben, Ehrlichkeit lohne nicht, der Bürger erwarte vielmehr, dass ihm im Wahlkampf das Blaue vom Himmel versprochen werde. Oder mit den Worten der ehemaligen Bundesministerin Andrea Fischer gesprochen: „Wenn die Bürger Ehrlichkeit nicht honorieren dann kriegen sie die feigen Politiker die sie verdienen.” Politiker nehmen nämlich sehr genau wahr, was ihnen Stimmen bringt und was sie Stimmen kostet – schließlich geht es alle paar Jahre um ihren Job! Eine niedrige Wahlbeteiligung junger Menschen führt dann auch dazu, dass die Interessen der jungen Generation (z.B. Klimaschutz oder Abbau der Staatsverschuldung) eher ins Abseits geraten. Wer also ernst genommen werden will, muss dafür auch etwas tun!
… auf meine Stimme kommt es nicht an!
Zugegeben: Die eigene Stimme ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht wahlentscheidend. Und wenn man selbst nicht zur Wahl geht, also einer weniger wählen geht, erscheint das nicht so dramatisch. Hier sticht aber tatsächlich das Argument von Großmutter, die einen ermahnte, das auf den Boden geworfene Bonbonpapier wieder aufzuheben: „Wenn das jeder machen würde”!
Konkret: Wenn nur noch eine Minderheit wählen gehen würde, wären unsere Politiker nicht mehr ausreichend legitimiert. Wir müssten uns statt der demokratischen Legitimation eine andere Variante überlegen, wie wir die Koordinatoren unseres Gemeinwesens bestimmen. Möglich wären beispielsweise Losentscheid, Berufung durch eine Behörde oder gleich die Vererbung politischer Macht wie im Absolutismus. – Alles keine verlockenden Alternativen.
Wer nicht wählen geht, wählt das was er nicht will!


